Internationaler Tag der Pflege – ein Beruf mit Kopf und Herz
Janina Weber erzählt im Interview über ihre Arbeit im "Balthasar"
Am 12. Mai werden mit dem internationalen Tag der Pflege die vielen und unverzichtbaren Menschen in den Mittelpunkt gestellt, die sich tagtäglich um die pflegerische Versorgung kranker oder alter Menschen kümmern.
Auch im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar ist Tag und Nacht ein gut ausgebildetes und engagiertes Pflegeteam für die lebensverkürzt erkrankten Kinder da. Im Interview erzählt Janina Weber, Heilerziehungspflegerin im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar, was Pflege aus ihrer Sicht bedeutet.
Seit wann arbeitest Du in der Pflege und was hat Dich dazu bewogen?
Nach der Schule habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kinderheim gemacht und dort mit Kindern mit Behinderung gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, wie sehr mich diese Arbeit erfüllt. So habe ich dann nach dem FSJ eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin gestartet. Das war vor 15 Jahren. Seit 13 Jahren bin schon im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar.
Was ist das Besondere an der Pflege im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar?
Im „Balthasar“ liegt der Fokus auf dem ganzen Leben der gesamten Familie. Wir schauen nicht nur auf das Kind und schon gar nicht nur auf die Krankheit. Viele Familien begleiten wir über viele Jahre. Sie kommen ab der Diagnose immer wieder zu Entlastungsaufenthalten ins Haus. Anders als es etwa im Pflegealltag des Krankenhauses möglich ist, kann ich deshalb eine Beziehung zum Kind, seinen Eltern und sogar Geschwistern aufbauen. Außerdem gibt es in meiner Arbeit keine Routine, ich übernehme vielmehr die Routine, die unsere Gäste von zu Hause kennen. Nicht nur menschlich, sondern auch pflegerisch muss ich mich jeden Tag individuell auf das Kind und seine Familie einlassen, weil jeder seine ganz eigenen Bedürfnisse mitbringt. Zuhören, Dasein, Begleiten – das macht die Pflege im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar für mich aus.
Wie gehst Du damit um, dass Du immer wieder Kinder gehen lassen musst?
Gerade weil ich die Kinder oft über einen längeren Zeitraum kennenlerne, wachsen sie mir natürlich ans Herz. Es braucht ein professionelles Nähe-Distanz-Verhältnis, um damit umgehen zu können, wenn sie sterben. Das kann man nicht lernen, das muss man einfach haben. Ein Mittelding gibt es nicht. Ich habe auch eigene Rituale, wie ein kleiner Moment des Innehaltens oder das Anzünden einer Kerze zum Beispiel. Wenn ich bei dem Kind bin, wenn es verstirbt, mache ich das Fenster auf, damit die Seele rausfliegen kann. Man muss verstehen, dass Gefühle wichtig und richtig sind. Man muss sie zulassen – aber nicht in ihnen untergehen. Wenn es meine Zeit erlaubt, gehe ich als Ausgleich zu Hause auch mal eine Runde im Wald joggen, um den Kopf wieder freizubekommen.
Die langjährige Beziehungsarbeit hilft aber auch. Ich sehe, wie die Krankheit fortschreitet und kann den Tod deshalb leichter akzeptieren.
Wie würdest Du andere Menschen motivieren, sich für den Pflegeberuf zu entscheiden?
Pflege ist mehr als ein Job. Mit meiner Arbeit habe ich direkten Einfluss auf das Leben anderer Menschen. Ich kann ihnen Würde und Lebensqualität schenken. In der Pflege zu arbeiten ist eine sehr erfüllende und sinnvolle Aufgabe, bei uns sind Kopf und Herz gefragt Ich würde mich auf jeden Fall wieder so entscheiden.
Wer in den pflegerischen Bereich hineinschnuppern möchte und sich, wie Janina, nach der Schule für ein Freiwilliges soziales Jahr interessiert, kann dies auch im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar tun. Wer sich bereits entschieden hat und die Ausbildung zur staatlich anerkannten Pflegefachkraft absolviert hat, kann sich zudem im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar im Rahmen eines Traineeprogramms weiterbilden. Auf der Grundlage einer Festanstellung werden dabei in 15 Monaten Kompetenzen und Wissen in der palliativmedizinischen Pflege von Kindern und Jugendlichen vertieft. Weitere Informationen unter www.kinderhospiz.de
